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"He was a Top-Hippie, now he is a Top-Ahmadi"
Herr Hübsch, Sie sind neben dem ehemaligen Diplomaten Murad Wilfried Hofmann der wohl bekannteste deutsche Konvertit.
Wie kam Ihr Kontakt mit dem Islam zu Stande?
Sie sind -wenn ich richtig informiert bin- schon 1969 zum Islam konvertiert. Welche Wandlung geht in einem Aktivisten der Kommune 1 vor, der auf der Höhe einer emanzipatorischen Bewegung zu einer Religion findet, die ein eher traditionalistisch geprägtes Sozialgefüge propagiert?
Oder plastischer: Wie kommt man von der ausgehängten Klotür hinter den Schleier?
Was hat sie besonders am Islam fasziniert?
Gab es einen Punkt in Ihrem Leben, der den Übertritt unausweichlich gemacht hat?
Sie sind publizistisch immer wieder für die Ahmaddiya-Bewegung tätig gewesen.
In welchem Verhältnis stehen Sie zu dieser Bewegung und welche Rolle spielt für Sie der Gründer Hazrat Mirza Ghulam Ahmad?
Zwar beteuern in- und ausländische Experten, "den" Islam gebe es nicht, trotzdem heißt der Verlag, für den Sie auch arbeiten "Der Islam". Er steht der Ahmadiyya-Bewegung nahe, die in der islamischen Welt umstritten ist. Inwieweit macht es Sinn, daß eine Bewegung, die von der Mehrheit der orthodoxen islamischen Theologen als "kufr" (ungläubig) beargwöhnt wird, angibt, "den" Islam zu vertreten?
Inwieweit fühlt sich die Ahmaddiyya bei all den Anfeindungen noch der umma, der islamischen Glaubensgemeinschaft, zugehörig?
Welche Auswirkungen hat das islamische Bekenntnis auf den Dichter Hübsch?
Ist der social beat des Hadayatullah Hübsch vergleichbar mit dem spiritual beat der Dichter sufischer Tradition?
Aus welcher Perspektive sieht der Muslim Hübsch die Geschehnisse seit dem 11. September 2001?
Wie bewerten Sie die Gefahr eines "clash of civilizations" durch eine Verstärkung isolationistischer Tendenzen sowohl innerhalb der islamischen als auch der abendländischen Gesellschaften? Können Konvertiten eine vermittelnde Rolle in dem polarisierten Diskurs einnehmen?
Herr Hübsch, Sie sind neben dem ehemaligen Diplomaten Murad Wilfried Hofmann der wohl bekannteste deutsche Konvertit. Wie kam Ihr Kontakt mit dem Islam zu Stande?
Sie sind -wenn ich richtig informiert bin- schon 1969 zum Islam konvertiert. Welche Wandlung geht in einem Aktivisten der Kommune 1 vor, der auf der Höhe einer emanzipatorischen Bewegung zu einer Religion findet, die natürlich nicht notwendigerweise, aber doch in den meisten praktizierten Formen ein eher traditionalistisch geprägtes Sozialgefüge propagiert?
Oder plastischer: Wie kommt man von der ausgehängten Klotür hinter den Schleier?
Nach dem Islam als Religion habe ich nicht direkt gesucht. Ich hatte ja, wie wohl die allermeisten Zeitgenossen um 1968, keine rechte Ahnung vom Weg Mohammeds (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm). Was ich von Kindheit an umzusetzen versucht habe, war eine Form der Gerechtigkeit. Ich war da sehr empfindlich und habe demzufolge in der Schulen, die ich besuchte, stets ziemlich viel Ärger verursacht. Weil ich eben auf Gerechtigkeit beharrte und mich mit den meisten Lehrern überwarf und demzufolge als rebellisch eingestuft wurde, mit der dementsprechenden Konsequenzen. - also häufiger Schulwechsel zum Beispiel.
Erster Hafen bei dieser Odyssee nach einem gerechten Dasein war die Bewegung der Schülerzeitungen Mitte der 60er Jahre, die in Hessen von Studenten (hauptsächlich) gelenkt wurde, die der Linken angehörten (einige davon sind später sehr bekannt geworden, so der Hessische Kultusminister Hartmut Holzapfel und der Essayist und Feuilletonist Michael Rutschky). Von, diesen, dem SDS sehr nahe stehenden Protagoristen der Linker (im Kreis auch um Adorno und die Frankfurter Schule) führte der Weg schnurstracks in die Ostermarsch-Bewegung. Für sie organisierte ich örtliche Ausschüsse, Demonstrationen. gegen der Krieg in Vietnam.
Auch war ich im höchsten Gremium des Landes, dem sog. Hessischen Ausschuß. Als ich in Marburg Zivildienst machte (1967) war ich demzufolge eng zusammen mit den dortigen Studenten dieser sozialistischen Hochburg (organisierte dort auch den Ostermarsch), indes neigte ich schon sehr der Boheme zu,
gab eine Literaturzeitschrift mit dem Namen TÖRN heraus und war eng befreundet mit dem Filmemacher Hans W. Geißendörfer ("Lindenstraße"). Als ich von dort abhaute - also rechtlich gesehen fahrenflüchtig wurde, lebte ich in Frankfurt am Main im Studentenwohnheim, in dem meine Freundin ein Zimmer hatte, und wurde vom Club Voltaire (dem Kulminationspunkt linker, politisch-kultureller Aktivitäten in Frankfurt) als Verantwortlicher für das Programm angestellt. Dem entzog ich mich zu Beginn des Jahres 1968. Zum einen deswegen, weil ich im Sommer 1967 mit Haschisch und LSD in Berührung gekommen war, so daß ich lautstark
die psychedelische Revolution fortan propagierte, zum anderen, weil ich von der Linken wegen ihrer Schwierigkeit, Theorie und Praxis in eins zu setzen, enttäuscht war. Am 1. Mai 1968 eröffnete ich somit mit Freunden das erste deutsche Hippie-Kommunikationszentrum in Frankfurt, das ich 'Heidi-loves-you-shop' nannte (denn Heidi war der Name meiner Freundin). In der Folge verlebten wir einen heißen Hippiesommer ("Love& Peace"), mit zahlreichen Aktivitäten, auch der legendären
Kuchenschlacht um das Bürgercafè Laumer, weil ich dort nicht bedient wurde (wegen langer Haare). Im Herbst 68, zur Buchmesse, schloß die Polizei in einem Großeinsatz das Zentrum. Ich gründete daraufhin eine Band, die ich 'Wa-wa-wa-wa-was-ist-los' nannte. Ihr Prin-zip war, das niemand in ihr ein Instrument spielen können durfte, da ich unverfälschte 'Mind-Music' produzieren wollte, bei der technische Kenntnisse nur hinderlich waren.
Wir spielten in etlichen Underground-Clubs, zum Entsetzen meist der Betreiber, und hatten unserer größten Erfolg auf dem 1. Essener Song-Festival, wo wir es schafften, von den 6000 Zuschauern in der Gruga-Halle 3000 zu vertreiben.
Mir stank jedoch, daß die Szene mich zum Führer machen wollte.
Eines Nachts stand ich in der Kommune, die ich unterhielt, einfach auf und ging davon, ohne jemandem zu sagen, wohin. Ich. flog nach Berlin und ging in die Kommune 1, die ich auf Hasch antörnte. Meiner Freundin sagte ich 14 Tage später, wo ich war, so daß sie nachkam. Zum Jahreswechsel 68/69 wollte ich, daß alle KI-Mitglieder einen Trip nahmen. Ich nahm eine Uberdosis mit dem Erfolg, daß ich 8 Tage und Nächte schlaflos und ohne zu essen durch Berlin irrte und schließlich am 8.1., meinem Geburtstag in der Psychatrie ("Bonnie's Ranch") aufwachte. Meine Existenz als Kommunarde war damit beendet. Ich selbst war psychisch kaputt.
Ich ging mit dem Vorschuß für mein erstes Buch, das im Frühjahr `69 im Luchterhand-Verlag erschien, nach Frankfurt zurück und wurde Dealer. Im Frühjahr `69 - "Mach was du willst", der Lyrikband, war gerade erfolgreich auf dem Markt, während ich selbst unfähig war, auch nur eine Zeile zu schreiben- fuhr ich mit meiner Freundin nach Marokko, um mich von den psychischen Zusammerbrüchen zu erholen. Auf der Hinfahrt nach Marrakesch hatte ich dann Visionen von gräßlichen Schlangen, meine Dreckigkeit wurde mir extrem bewußt.
Ich sah mich als Anhänger des Zen-Buddhismus, nachdem ich das Zen-Kapitel des Kultbuches "Zen-Buddhismus und Psychoanalyse" immer wieder studiert hatte, glaubte diffus auch an Gott und trug so einen Rosenkreuz um den Hals. Aber ich war total verzweifelt und sah nirgendwo mehr einer Ausweg aus meiner Misere. In dieser Situation bat ich in einem Anfall von Verzweiflung meine Freundin, das Auto anzuhalten. Ich riß mir alle Kleider vom Leib und rannte nackt in die Steppe.
Dort geschah es. Ich fühlte mich plötzlich festgehalten von einer unsichtbaren Macht, und plötzlich trat aus meiner Brust das Gebet: "O Allah, bitte reinige mich !"
Es war eine Offenbarung. Ich hätte vielleicht zu Buddha beten können oder zu Jesus, denn das waren ja meine Ideen, aber unbegreiflicherweise betete ich zu Allah. Ich hatte mir das Gebet vorher nicht überlegt. Es kam einfach aus mir. Es war eine Offenbarung. Ich fühlte mich sofort besser und ging zurück zum Auto.
Das war aber nicht die tatsächliche Annahme des Islams. Ich hatte von dieser Religion ja keine Ahnung und wußte auch niemanden, der mir darüber etwas sagen könn-te. Ich hatte auch nicht die Absicht, jetzt dem Islam zu folgen. Ich war zu verwirrt und kaputt. Schreckliche Monate folgten, mit Gefängnis und Irrenhaus in Spanien. Horrortrips und Gefängnis und Psychatrie, sogar einem Selbstmordversuch, in Deutschland. Aber in mir war der Glaube an Gott entstanden. Dieser Keim trieb. Im Spätherbst ´69 lebte ich dann völlig zurückgezogen in der Wohnung meiner Mutter. Ich hatte bei einem Freund ein Buch über Yoga gefunden
und praktizierte es, so gut ich konnte. Während einer Meditation geschah ein zweites Wunder.
Ich hatte eine Vision und sah aus einem OM-Zeichen, das auf einer Mandala einer Hippiezeitschrift abgebildet war, einen weißen Blitz steigen, der zu meinem Bücherregal führte, das ich seit Jahren nicht mehr ange-sehen hatte. Ich folgte dem weißen Licht und sah plötzlich einen Koran. Ich nahm an, daß es eine Verbindung zwischen dem Zeichen auf der Mandala und dem Koran geben müsse. Ich hatte zuvor noch nicht in diesem Buch gelesen. Es war, wie ich später erinnerte, ein Weihnachtsgeschenk eines Onkels von mir gewesen- Ich nahm also den Koran in die Hand, öffnete ihn irgendwo und begann zu lesen. Nach nur wenigen Zeilen sagte ich mir,
das ist die Wahrheit, durch diese Worte spricht Gott, und sagte zu meinem Herzen, das mußt Du annehmen, jetzt bist du Muslim.
Ich wußte, wie gesagt nichts Genaues vom Islam, aber mir war die Botschaft der Worte überdeutlich. In der kommenden Wochen las ich darin, las auch dann in einer Tages-zeitung, daß Ramadan angefangen habe. Ich begriff, daß ich nun fasten mußte, wußte aber nicht wie, fand dann zu der einzigen Moschee, die es in Frankfurt damals gab, und akzeptierte dann, nachdem ich begonnen hatte, das islamische Gebet zu verrichten und großartige Erlebnisse der Befreiung vor Sünde dabei erlebt hatte, auch wahre Träume sah, daß ich in die Reformgemeinde, die diese Moschee errichtet hatte, eintreten sollte. Das geschah dann im Juni 1970.
Aus dem Geschilderten geht hervor, daß es nicht meine direkte Suche nach dem Islam war, die mich zum Muslim machte, sondern meine Sehnsucht nach Reinheit, auch Gerechtigkeit, vor allem aber Gott Selbst. Was die Annahme des Islams letztlich bedeutete, war mir nicht klar. Ich war nur froh, endlich einen Hafen gefunden hatte, in dem ich meine Sehnsucht stillen. konnte. In der Folge habe ich dann einige Semester Islamwissenschaften studiert, mich aber vor allem autodidaktisch, durch viel Lesen und Studieren, über die verschiedenen Aspekte islamischer Lehren informiert.
Letztlich war es aber die Praxis, das tägliche Gebet also, und die Liebe der Muslime der Nuur-Moschee in Frankfurt, die mich für der Islam begeisterten. Und dann die Begegnungen mit dem Kalifen der islamischen Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hadhrat Mirza Nasir Ahmad.
Was hat sie besonders am Islam fasziniert?
Gab es einen Punkt in Ihrem Leben, der den Übertritt unausweichlich gemacht hat?
Sie sind publizistisch immer wieder für die Ahmaddiya-Bewegung tätig gewesen.
In welchem Verhältnis stehen Sie zu dieser Bewegung und welche Rolle spielt für Sie der Gründer Hazrat Mirza Ghulam Ahmad?
Vor allem die Praxis. Ich spürte bei dem Imam der Moschee, daß er Liebe, Güte, Weisheit, Verständnis und Brüderlichkeit lebte.
Ich hatte einen Freund in ihm gefunden, auch so etwas wie einen Vater. Natürlich aber hat mich die Lektüre des Korans und anderer Schriften des Islam bewegt und inspiriert,
vor allem aber die Praxis des Gebetes. Es war nur konsequent, daß ich nach der innerlicher Annahme im Spätherbst ´69, dann ´70 den tätsächlichen Schritt des Eintritts in die Reformbewegung der Ahmadiyya vollzog und um einen neuer Namen bat, der dann Hadayatullah lautete, was auf Deutsch heißt: Der von Allah Geleitete.
Diesen Namen gab mir der Kalif und er verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise, wie ich zum Islam fand.
Die Ahmadivya Muslim Gemeinde verkörpert, dies ist mein fester Glaube, den wahren Islam, ohne den Wahnsinn und all die Verkrustungen, die sich im Verlauf der islamischen Geschichte durch unverständige Mullahs in die Religion des Friedens hereinschlei-chen konnten. Sir Zafrulla Khan, der ehemalige langjährige Präsident des internationalen Gerichtshofs zu Den Haag sagte zu mir im Jahre 1973, als ich zum ersten Mal die internationale Jahresversammlung der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Rabwah/Pakistan besuchte: "He was a Top-Hippie, now he is a Top-Ahmadi",
also auf Deutsch: er war ein Hippie ersten Ranges und nun ist er ein Ahmadi-Muslim ersten Ranges.
Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad hat für den Islam die Aufklärung eingeleitet und eine Entmythologisierung vollzogen. Er ist der Messias des Islams, theologisch: der vom Heiligen Propheten Mohammed (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) prophezeite muslimische Führer in der materialistischen Epoche und derjenige, durch den die Prophezeiung über die Wiederkunft von Jesus Wirklichkeit wurde. Er ist ein Erleuchteter, der genauso wie Jesus Prophetenrang hat, was auch im Islam möglich ist, wenn man den Koran genau liest, der ja direkt sagt,
daß auch unter den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) der spirituelle Rang eines Propheten erreicht werden kann (Sure 4 Vers 70: "Wer Allah und den Gesandten gehorcht, soll unter denen sein, denen Allah Seine Huld gewährt hat, nämlich unter den Propheten, den Wahrhaftigen, den Blutzeugen und den Gerechten; und das sind die besten Gefährten" . Und wenn Jesus laut Koran ein Prophet war, dann kann die Wiederkunft von Jesus nur denselben Rang haben. Das glauben alle Muslime,
d.h. die orthodoxen Muslime glauben ja auch alle insgesamt, daß Jesus wiederkommen wird, und natürlich wird er dann, ihrer Meinung nach, noch Prophet sein. Wir indes sagen, daß der historische Jesus auf dieser Erde laut Koran gestorben, ist und in Kaschmir begraben liegt.
Seine Wiederkunft findet so statt, wie Jesus das Prinzip der Wiederkunft erklärt hat, wenn er in Matthäus 11:13-14 sagt, daß Johannes der Täufer die Wiederkunft von Elias ist.
Zwar beteuern in- und ausländische Experten, "den" Islam gebe es nicht, trotzdem heißt der Verlag, für den Sie auch arbeiten "Der Islam". Er steht der Ahmadiyya-Bewegung nahe, die in der islamischen Welt umstritten ist. Inwieweit macht es Sinn, daß eine Bewegung, die von der Mehrheit der orthodoxen islamischen Theologen als "kufr" (ungläubig) beargwöhnt wird, angibt, "den" Islam zu vertreten?
Sicherlich gibt es viele Bewegungen und Richtungen, die sich islamisch rennen, aber es gibt "den Islam" allgemein im dem Sinne, daß es eine allen gemeinsame Grundlage gibt, nämlich den Koran, (d.h. die Offenbarungen Allahs) und die Sunna (d.h. Praxis des Heiligen Propheten Mohammed, Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) wie sie zum Teil in den Hadith (Berichten über seine Worte und Handlungsweisen) überliefert wird. Die Frage ist nur jeweils, wie bestimm-te Verse des Korans verstanden bzw. interpretiert werden. Das gilt auch für viele Hadith. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat beansprucht, daß durch den rechtgeleiteten Mahdi Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, der laut den Prophezeiungen Propheten Mohammed (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) auch 'Richter' unter der Muslimen sein würde, die für der Islam heute gültige und verstehende Weisung Allahs übermittelt wurde - und in seiner Nachfolge durch die gewählten Nachfolger des Mahdis, also die Kalifen, deren Vierter, Hadhrat Mirza Tahir Ahmad, derzeit das Amt des Spirituellen Oberhaupts der Gemeinde innehat. Daß buchstabengläubige Mullahs sich mit der Reformation, die durch Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (Frieden sei auf ihm) verwirklicht wurde, nicht einverstanden erklären, weil sie an ihren engstirnigen und selbstsüchtigen Interpretationen festhalten, ist nicht verwunderlich.
Und daß sie die Auseinandersetzungen mit der Gemeinde, so sie intellektuell sind, auf schäbige Art führen, indem sie Zitate verändern und unwahre Aussagen über sie ver-breiten, ist oft genug bewiesen worden.
Im übrigen gilt, daß die Ahmadiyya Muslim Jamaat unverbrüchlich die Kalima, also das islami-sche Glaubensbekenntnis ("Niemand anbetungswürdig außer Gott, Mohammed ist der Gesandte Gottes") als ihren Weg ansieht, und der Prophet gesagt hat, wer die Kalima äußert, muß als Muslim angesehen werden. Insofern ist unsere letztliche Reaktion auf jene, die uns des Unglaubens bezichtigen, der Verweis auf ein Hadith, demzufolge der Heilige Prophet sagte: "Wenn ein Muslim einen Muslim Nicht-Muslim nennt, ist er selbst kein Muslim (mehr)" . Und daß wir die fünf Pfeiler des Islams praktizieren und an die sechs Glaubensartikel fest glauben, kann niemand, der uns kennt, abstreiten.
Inwieweit fühlt sich die Ahmaddiyya bei all den Anfeindungen noch der umma, der islamischen Glaubensgemeinschaft, zugehörig?
Jeder, der an die Kalima glaubt, ist ein Muslim. Und wir sind Muslime. Alle Ahmadis (d.h. die Anhänger und Gefolgsleute, des Verheißenen Messias, wie wir Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, Frieden sei auf ihm, nennen,) glauben unverbrüchlich felsenfest daran, daß es nur einer einzigen, allmächtigen, liebevollen und gerech-ten Gott gibt Dessen Eigenname Al1ah lautet, und daß Hadhrat Mohammed (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) Sein Prophet ist und zudem Khatam Nabiyyin, d.h. Siegel der Propheten. Daß der Heilige Prophet nicht der letzte Prophet (zeitlich gesehen) dieser Welt ist, hat seine Frau Aischa deutlich gemacht, die sagte: "Nennt ihn Khatam Nabiyyin, aber sagt nicht, daß nach ihm kein Prophet mehr kommen wird", denn daß Jesus wiederkommen wird, wie auch immer, ist fester Bestandteil des islamischen Glaubens, und er kann unweigerlich nur nach dem Heiligen Propheten kommen. Für die Ahmadis ist der Heilige Prophet Mohammed (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) der letzte gesetzgebende Prophet, durch den der Koran übermittelt wurde, das abschließende, letzte Gesetzbuch der Psyche des Menschen und die Grundlage für eine islamische Ge-sellschaftsordnung. Aber in den Hadith finden wir eindeutig die Aussage, daß der wiedergekommene Jesus "Nabil" (d.h. Prophet) sein wird. Das kann kein muslimischer Gelehrter bestreiten.
Welche Auswirkungen hat das islamische Bekenntnis auf den Dichter Hübsch?
Der Dichter Hübsch läßt sich von der Grundaussage des Korans leiten, daß die Muslime zu "reiner Sprache" und, "dem geraden Wort (ohne Falschheit)" geleitet werden. Er sieht den Sinn seiner Dichtung darin, verstehen zu machen, was einschließt, daß er dadurch auch sich selbst über bestimmte Dinge seiner Geschichte klar werden will.
Ist der social beat des Hadayatullah Hübsch vergleichbar mit dem spiritual beat der Dichter sufischer Tradition?
Der Poesie, die ich vertrete, ist das Bedürfnis zu eigen, eine Einheit von Leben und Schreiben Zustande zu bringen (was auch in der Fantasie möglich ist, d.h. im Erfinden von Geschichten oder Bildern, die ja nur Widerspiegelung und anderer Ausdruck der verschiedenen Wirklichkeiten sind, die wir real durchleben. Mit den Dichtern, die Sufis genannt werden, verbindet mich vieles, so lange es tatsächlich Mystiker sind, die auf dem Weg des Heiligen Propheten Mohammeds (Segen und Frieden Allahs seien auf ihm) wandeln. Aber es gibt auch unter der Dichtern außerislamischer Lebens- und Glaubensvorstellungen etliche, denen ich mich verbunden fühle, so sie eben diesen Anspruch -ehrlich und wahr zu sein- verkörpern, so den Beats aus den USA etc.
Aus welcher Perspektive sieht der Muslim Hübsch die Geschehnisse seit dem 11. September 2001?
Wie bewerten Sie die Gefahr eines "clash of civilizations" durch eine Verstärkung isolationistischer Tendenzen sowohl innerhalb der islamischen als auch der abendländischen Gesellschaften? Können Konvertiten eine vermittelnde Rolle in dem polarisierten Diskurs einnehmen?
Die Ereignisse um den 11. September waren nicht direkte Ausdruck des Zorns Allahs, sondern Ergebnis eines unkortrollierten Hasses und einer Verblendung von Menschen. Mit den Lehren des Islam, wie sie im Koran ausgebreitet werden, haben sie nicht viel zu tun, von Äußerlichkeiten in Wort und Habitus der Attentäter einmal abgesehen. Aber ihre Tat, ihre Politik, ist verbrecherisch. Sie leugnen all die Wege, die Allah im Koran aufweist für das Zustande-kommen von Frieden und sind vergleichbar mit jenen, über die Allah sagt: "Und wenn ihnen gesagt wird: "Stiftet kein Unheil auf Erden", antworten sie: "Wir sind nur Förderer des Friedens." Höret, gewiß sind sie es, die Unheil stiften, alleine, sie begreifen es nicht." (Sure 2, Verse 12, 13). Wenn wir den Koran studieren, um zu sehen, wie Haß und Feindschaft unter den Menschen beseitigt werden können, finden wir zahllose Empfehlungen, was zu tun wäre.
An keine dieser Anweisungen haben Sich die Terroristen. gehalten. Im Koran heißt es: "Eure Gewalttat richtet sich nur gegen euch selbst" (Sure 10 Vers 24). Indes hat Allah nach diesem satanischen Anschlag Zeichen Seiner Barmherzigkeit gesetzt, indem Er die Menschen befähigte, verstärkt über den Islam und die Wege zum Frieden nachzudenken. Wenn jetzt von den Verantwortlichen nicht maßlos reagiert wird und vermehrt der Weisheit, die andere Wange hinzuhalten (die im Evangelium wie im Islam, ja sogar im Judentum angelegt ist) gefolgt würde, ließe sich ein "Clash of Civilizations" vermeiden und -vielleicht nach einem Ausmerzen absolut gewalttätig agierender Kräfte- eine Zeit verhältnismäßiger Ruhe einstellen. Konvertiten können dabei als Vermittler zwischen Mentalitäten und kulturell-gesellschaftlich bedingten Vorstellungen und Verhaltensweisen Brücken bauen und wesentlich dazu beitragen, Mißverständnisse auszuräumen und dem Guten, das in den Weltanschauungen und Religionen zu finden ist, zum Durchbruch verhelfen, inscha-Allah.
Vielen Dank.
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