Literarischer Stil und Subjektivität

Die frühen literarischen Werke beschäftigten sich mit der Überlieferung von Geschehen. Erst nach und nach wurden diese Überlieferungen auch durch ihre Erzähler gewertet. Dabei ließen sie allerdings keine persönlichen Ansichten in die Wertung einfließen, sondern stützten sich auf allgemein anerkannte Symbole und Werte. Das griechische Theater in der Antike und die Werke von Homer sind Beispiele für diesen Literaturstil. Später in der Renaissance wurde die Individualisierung in der Literatur ein Thema und die Helden aus der Vergangenheit entwickelten sich zu eigenständigen Personen, die nicht mehr nur als Vollstrecker eines überirdischen Plans fungierten, sondern selbst denken und damit entscheiden konnten. Dr. Faustus, Goethes berühmter Protagonist, lehnt sich sogar gegen die göttlichen Mächte auf und will nicht akzeptieren, dass alles vorher bestimmt ist. Die Emotionalität hatte Eingang in die Literatur gefunden und die Autoren erzählten aus ihrer eigenen subjektiven Sichtweise. Parallel dazu entwickelten sich in der Gesellschaft verschiedene Schichten und damit soziale Gruppen. Der Lebensstil des Einzelnen wurde individueller und damit wurde auch der Stil der Literatur persönlicher und privater. Im frühen 20. Jahrhundert erhöhte Frank Kafka in seinen Erzählungen die subjektive Wahrnehmung so sehr, dass sie über dem realen Geschehen stand und noch heute gilt er als Maßstab für das Verhältnis von Subjektivität und literarischem Stil.

Die Neue Subjektivität

Marcel Reich-Ranicki prägte in den 1970er Jahren den Begriff der Neuen Subjektivität. Er verwendete ihn für Literatur, die das Privatleben des Protagonisten in den Mittelpunkt stellen und damit seine ganz persönlichen Wünsche und Träume. Der Schreibprozess wurde auf Selbsterfahrung und Introspektion verlagert und oft entstanden so Werke mit einem Tagebuchcharakter. Die Erzählsprache lehnt sich in der Neuen Subjektivität stark an die Alltagssprache an und Gesellschaftskritik wird im Rahmen der persönlichen Wahrnehmung thematisiert. Überall im deutschsprachigen Raum finden sich Werke, die der Neuen Innerlichkeit zugeschrieben werden können und in der damaligen BRD zählte man vor allem Peter Schneider und Martin Walser zu den Autoren dieses Literaturstils. Interessierte Leser finden weitere wissenswerte Literatur Themen & Anleitungen unter dem Begriff Neue Subjektivität mit jeder Suchmaschine im Internet.

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