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Kurzstrecke
Kurzprosa und Einfälle
von Christian Bartel
Was ich tun will, wenn ich tot bin?
(weinerlich nörgelnd)
Mich BESCHWEREN, verdammt noch mal. Bei der Karmaverwaltung.
Erst siebenundneunzig Zyklen Wiedergeburt als Kartoffel wegen einer Sachbeschädigung im Siebzehnten Jahrhundert, dann hatte man sich gerade ein bißchen dran gewöhnt und jetzt das hier. ... [weiter]
von Christian Bartel
Pöltner: Nimm meine Hände, Schorsch.
Schorsch: Ja, Vater.
Pöltner: Spürst du das, Bub. Hände wie alte Borke. Mit den eigenen Händen den Hof bauen, das Torf stechen, das ist es, was einen Mann ausmacht.
Schorsch (irritiert): Ja, Vater.
Pöltner: Ödland war das. So weit du schauen konntest. Ödland und harte Arbeit. Der Mutter hat´s das Herz zerrissen, sie ist halt nie eine echte Bäurin worden.
Schorsch: Vater, ich muß etwas sagen. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Oft versuche ich, an etwas anderes zu denken. Woran ich nicht denken will, das habe ich sicher mit Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, und mit vielen anderen Menschen gemeinsam, zum Beispiel – nein, davon sollten wir nicht reden, wenn wir schon nicht daran denken wollen. Das andere, woran ich dann denke, ist in meinem Fall meistens weiße Haut. Genauer gesagt, die weiße Haut auf der Innenseite der Oberschenkel junger Frauen. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
So klein ich bin, so herzlich möchte ich Sie weiterhin meiner vernichtenden Rache versichern. Solche Sprüche bringt er. Letzteren zum Beispiel, als er neulich an der Kasse im Supermarkt neben mir stand. Rache ist - - - !? Süß ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Eigentlich erhalte ich relativ selten Besuch von Damen. Oder Frauen. Sie zerfallen im Großen und Ganzen in drei Kategorien (das klingt nicht schön, aber man formuliert wohl so) ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Zeitungen sterben, Redaktionen werden zusammengelegt. Die Journalisten werden entlassen oder müssen doppelt so viel arbeiten, damit die Nachrichten nicht ausgehen.
Tom geht es schlecht. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Ja, die Callas. Großartig. Sie haben sie ja nicht mehr auf der Bühne erlebt.
Und Aufnahmen aus der Zeit sind so selten. Da hat man noch für Menschen aus
Fleisch und Blut gesungen, nicht bloß für die Platten. Oder CD’s, wie das
jetzt heißt. Aber die wenigen Aufnahmen, die es gibt, diese Mitschnitte, die
bringen noch die Atmosphäre rüber. Den Raum, die Zuschauer. Da ist noch ein
Dialog da zwischen dem Künstler und seinem Publikum. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Ich tue grundsätzlich nichts mehr, ohne mich vorher eingehend beraten zu lassen.
Mancher wundert sich noch darüber, doch die Zukunft wird zeigen, daß ich damit in dieser immer komplizierter werdenden Welt die richtige Entscheidung getroffen habe. Vielleicht entspreche ich sogar einem Trend, der nur noch nicht entdeckt und beschrieben wurde. ... [weiter]
von Klaas Tigchelaar
Hin und wieder hielt er den Atem an und lauschte gebannt, sehnte das Knattern von Bastis Moped herbei. Doch bis auf das Dröhnen der Generatoren und das gedämpfte Gackern der Hühner war es still. ... [weiter]
von von Rupprecht Mayer
Daß A. ein guter Elementarschüler gewesen war, hätte seine Mutter jederzeit bezeugt. Aber sie war schon ziemlich alt, und niemand kam auf die Idee, ihr eine so banale Frage zu stellen. Vielleicht wäre die Objektivität ihrer Aussage auch bezweifelt worden. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Schwer wurde ihm der Aufenthalt in D., einem Land, in dem die Menschen so umtriebig sind, daß sogar die Wespen und Hummeln nervös werden. ... [weiter]
von Patricia Holland-Moritz
Im Juni tauschte ich meinen Mann gegen einen Irish Setter.
Der Straßenclown, umgeben von Menschen und Touristen, hatte mir den Hund gegeben, nachdem er meinen Mann der Besitzerin des Hundes in die Hand gedrückt hatte. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Kaum hatten sie die Tür des Parlaments hinter sich geschlossen und standen draußen im Land, da begann sich der dicke Hals des Bundeskanzlers mit dem schmalen Kopf darauf um die eigene Achse zu drehen. Immer schneller schraubte sich der Bundeskanzler nach oben, begleitet von einem singenden Geräusch. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Jahrhunderte hatten die Menschen schaudernd vom Rand der steilen Küste zu den Felsen in der Brandung hinuntergesehen. Doch dann, in einer Vollmondnacht, besann sich die Küste eines Besseren und empfing den Ozean fortan mit einem feinkörnigen Sandstrand. ... [weiter]
von Rupprecht Mayer
Man hätte sagen können, daß er Glück hatte bei den Frauen, aber er war sich nicht sicher, ob es nicht eher Unglück war, und ob er den Frauen nicht Unglück brachte. ... [weiter]
von von Norfran Schaaf
Da Rainer Pfahle, Darsteller gleichzeitig wie Regisseur, den Zuschauerraum betritt, beginnt auf der Studiobühne der aktuellen Motto-Show die Probe für das Bild Nackte Wahrheit. Ein nicht mehr junger, reicher Mensch, den er spielt, hat in Tibet eine Götterstatue erstanden, eine Guanyin, eine weibliche Gottheit mit der Eigenschaft, sich zu bewegen, sooft jemand lügt. ... [weiter]
von Christian Bartel
Schöne blaue, kristallklare Ersatzflüssigkeit, ein bißchen eingedickt mit Glyzerin. Damit sie nicht so schnell in die Windel pullert beim Vergleich mit der Herkömmlichen.
Das möcht ich sein, wenn ich tot bin. ... [weiter]
von Patricia Holland-Moritz
Collo lag im Krankenhaus mit einem halben Bein.
Egal, wie gut man Collo kennt, er wartet nie lange, um seinen Werdegang als Pechvogel zu erzählen.
Auch dem Jungen, der sich ihm als Paolo vorstellte und den Collo trotzdem immer Norbert nannte. Der Junge hatte ein Furunkel im Hintern, Collo Metallplatten im Körper. Collo hatte keinen Magen mehr und es fehlte ihm ein Stück Darm. ... [weiter]
von Patricia Holland-Moritz
Er spürt die Tasten seines Klaviers. Bevor er mit ihnen zu spielen beginnt, berührt er jede einzelne. Er verbringt sein Leben am Klavier und stellt sich vor, all die Frauen zu küssen, die er berührt. Sie liegen vor ihm. Aufgereiht und schwarz und weiß. Als Tasten. ... [weiter]
von Patricia Holland-Moritz
Am liebsten sortierte Aldo Käferschachteln und Bücher. Erstere mit präparierten Sechsbeinern nach ihrer geographischen Herkunft, letztere in alphabetischer Reihenfolge der Autorennamen. Aldo befasste sich am liebsten mit toten Käfern und gebundenen Büchern.
Doch auch der Rest seines Lebens schien sich in Schachteln und Regalen zu befinden.
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