|
|
von Annie Lux
Im Fotofachgeschäft auf der High Street Kensington gibt es Mittwoch morgens „Staff training“. Der stellvertretende Manager Julius beschwert sich über den nichtanwesenden Manager Charles. Die Angestellten schenken ihm ein zustimmendes Stirnrunzeln - das eherne Gesetz der Vorgesetztendissung. Danach öffnet der Laden. ... [weiter]
von Annie Lux
Dem Hinweis meiner Akupunkteurin folgend fuhr ich zum BAPS Shri Swaminarayan Mandir, einem Hindutempel im Stadtteil Neasden. Dort sollte es indisches Essen und Annakut (Hinduneujahr) geben. Frauen in bunten Saris und Männer in unbunten Normalklamotten tauchten von überall her auf und formierten sich vor dem Tempel zu einer Menschenschlange. Ich reihte mich ein und passierte nach flottem Voranschreiten das Eingangstor. Danach gelangte ich in ein großes Zelt, in dem schon eine nicht unbeachtliche Anzahl von BAPS-Anhängern wartete. ... [weiter]
von Annie Lux
Mein im letzten Aufsatz angekündigtes Vorhaben nach Cambridge zu fahren, habe ich nun doch noch nicht in die Tat umgesetzt. Dafür reiste ich nach Cornwall ins Rosamunde Pilcher Land. In dem kleinen Städtchen und Touristenmagnet St. Ives entrollte ich meinen geliehenen Schlafsack und stellte mein geborgtes Zelt auf. Als Anhängerin von Luxus und Bequemlichkeit fiel es mir nachvollziehbar schwer, des nächtens in einem Zelt Schlaf zu finden und so litt ich die gesamten vier Tage unter beträchtlichem Schlafmangel. Dazu gesellten sich zwei signifikante, als auch fatale Begegnungen mit der einheimischen Tierwelt. ... [weiter]
von Annie Lux
Städtereisen im Halbschlaf sind eine empfehlenswerte Unternehmung. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung heraus behaupten.
Es ist noch nicht so lange her, da paarte sich hormonell bedingte Übernächtigung mit wilder Unternehmungslust und geißelte mich in einen Linienbus nach Oxford. Gierig ein paar Elitestudenten an den Hintern zu grabschen, stolperte ich eineinhalb Stunden später hinein in die Universitätsstadt.
... [weiter]
von Annie Lux
Meine derzeitige Wohnsituation ist aufgrund innerhäuslicher Interferenzen unerträglich geworden. Ich muss ausziehen. Seit drei Wochen befinde ich mich nun schon auf Zimmersuche und beschäftige mich bis auf wenige Ausnahmen mit nichts anderem, als im Internet oder an Anschlagbrettern nach Anzeigen zu suchen, Vermieter anzurufen und mir bei frostiger Kälte Zimmer anzugucken. Alle hocken in ihren warmen Stuben, gucken Fernsehen und zünden abends eine Kerze an, nur ich stehe draußen an leuchtenden Kiosken vor bitteren Bahnhöfen und lese mir kondensationsbenetzt Anzeigen durch. Es ist furchtbar.
... [weiter]
von Annie Lux
Was bisher geschah: Durch eine Reihe dummer Zufälle und dem unbestimmten Wunsch etwas Neues auszuprobieren, gelangt die Autorin nach Großbritannien, genauer gesagt nach London. Ohne dringenden Arbeitswunsch möchte sie ihr Haupt auf Daunen betten und ihren Kehle mit allerlei Köstlichkeiten füllen im Austausch für gelegentliche Kindesaufsicht. Das geht gehörig schief, sodass sie sich gezwungen sieht, all die duftenden Träume vom allersüßesten Nichtstun aufzugeben, es waren, wie gesagt, eben nur Träume, und ES anzupacken. Deutschland kann sich eine Scheibe von ihr abschneiden. Aber nicht zu gierig sein! Es muss ja für ganz Deutschland reichen.
... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Nachdem Sie das Frühstück, welches aus schmackhafter kubanischer Knorpel-Presswurst zubereitet war, links liegen gelassen haben, machen Sie sich daran, den Tag damit zu verbringen, vergeblich eine Reise in die kubanische Stadt Trinidad zu organisieren. Sie stellen fest, dass es keinen Bus und keinen Zug dorthin gibt und dass die Anmietung eines Leihwagens für vier Tage Sie 375 Dollar kosten würde. ... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Fünfter Tag:
Ziemlich hinüber wachen Sie gegen Mittag auf und machen nach einem Aspirin-Frühstück erst mal einen Spaziergang in das berühmte Villenviertel Miramar, um in Havanna nun endlich auch einmal etwas Schönes zu sehen. Tatsächlich sieht dort etwa jedes fünfte Haus durchaus bewohnbar aus.
... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Sie glauben, schon alles über Kuba zu wissen? Alte Oldtimer, verfallene Häuser, billiger Rum, riesige Zigarren, scharfe Mulattinnen, und das war’s? Weit gefehlt! Entdecken Sie das wirkliche Kuba! Mit Incubus Cuba Reisen lernen Sie die ganz andere Seite der berühmten Karibik-Insel kennen, welche Ihnen bisher immer vorenthalten wurde. Tauchen Sie ein in eine Welt der Lebensfreude, welche Sie bisher nie zu befürchten wagten. Unser Travel-Scout Ralf Oldenburg hat Ihnen eine Route vorgelebt und zusammengestellt, die ihre Reise zu einem wahrhaft unvergesslichen Erlebnis machen wird. ... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Gegen die Sonne binde ich mir eine Art Piratentuch um den Kopf. Dies hilft einigermaßen, auch wenn die oberen Ränder meiner Augenbrauen vom herunterlaufenden Schweiß inzwischen völlig ausgeblichen und hellblond geworden sind. Meine Nase jedoch ist mittlerweile so verbrannt, dass sie aufplatzt und blutet. ... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Ralf Oldenburg wanderte einen Monat durch Polen und führte Tagebuch und erzählt von Einsamkeit, wunden Füßen, Vorurteilen, Wartehäuschen, numerierten Briefkästen und Europaskepsis. ... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Die Polenreise, ich muss es mir eingestehen, ist bisher kein Erfolg. Was ich erlebe, reicht nicht einmal für eine Stammtisch-Anekdote. Eigentlich erlebe ich nichts. Ich gehe den Tag über, ich suche ein Hotel, ich esse zu Abend, ich schlafe. Nie lerne ich jemanden kennen, die Dörfer und Städte sind weder hübsch noch hässlich (was ja noch interessant sein könnte), mein Reiseführer gibt nichts her, in den Gehpausen sitze ich im Müll des Straßengrabens, trinke Cola, esse Schokoriegel. Die Landschaft, durch die ich gehe, ist nicht exotisch, nicht abwechslungsreich, nicht spektakulär. Felder, Wiesen und Wälder. Wälder, Wiesen und Felder. Wiesen, Wälder und Felder. Und so fort. ... [weiter]
von Friederike Schüller
Letztes Wochenende klingelte morgens um 11.00 Uhr das Telefon, es lag aus unerfindlichen Gründen auf meinem Nachttisch rum und so fiel ich fast aus dem Bett, als es so vor sich hin röhrte.Ich selbst war nach einer extrem bizarren Nacht nämlich erst 3 Stunden vorher in das selbige gekrochen, in einem Zustand, der es mir unmöglich machte, nähere Angaben zu meiner Person zu machen. ... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Mittwoch, 06.08.03
Fast alle Hotelzimmer, in denen ich übernachte, haben einen Fernseher. Und so gut wie immer findet sich auch mindestens ein deutscher Sender. Das polnische Fernsehen selbst jedoch zeichnet sich durch eine Besonderheit aus. Nahezu sämtliche ausländischen (das bedeutet in der Regel: amerikanischen) Serien und Spielfilme sind synchronisiert, der Originalton läuft, meist bis zur Unkenntlichkeit leise, im Hintergrund mit. Das Besondere ist nun, dass alle Rollen, seien es Männer, Frauen oder Kinder, von ein und demselben Sprecher synchronisiert werden. Ich spreche kein Polnisch, und kann mich daher auch nur begrenzt in das Sprachempfinden und die Satzmelodie einfühlen, aber für meine Ohren klingt das Endprodukt noch monotoner und gelangweilter als zu meiner Schulzeit, wenn wir, weil dem Lehrer nichts Besseres einfiel, Theaterstücke seitenweise "mit verteilten Rollen" vorlesen mussten
... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Ralf Oldenburg läuft drei Wochen durch Polen, notiert Eindrücke, fotografiert, macht sich Gedanken, kämpft gegen wunde Füße und die Einsamkeit und landet schließlich in Auschwitz.
"Irgendetwas hindert mich in Polen, die Menschen, die Orte, die ganze Reise als Kuriosum zu sehen, oder zumindest einfach mit einem unverstellten, offenen, ungetrübten, ja naiven Blick zu betrachten, was mir in diesem Land widerfährt. Ein Deutscher, der durch Polen geht, so kommt mir vor, hat anscheinend so gut wie keine Chance, sich hiergegen zu wehren: sein Blick ist von Anfang an verstellt. Verstellt von etwas Großem, etwas Dunklem, etwas Unheimlichem. Er kann sich bemühen, daran vorbeizuschauen, doch bleibt die Tatsache bestehen, dass er an irgendetwas vorbeischaut. Dass er etwas ausblendet, etwas ignoriert. Was ist dieses große Unheimliche, frage ich mich dann und wann. Und weiß es doch schon" ... [weiter]
von Ralf Oldenburg
Der Mächikaner fährt gern Auto. Das heißt: Eigentlich würde er gerne Auto fahren. Meistens fährt er aber mit etwas, von dem Herr O. nur mit beide Augen zu und viel gutem Willi behaupten kann, dass es ganz vielleicht in seinem früheren Leben mal ein Auto war. Da es in Mächiko keinen TÜV gibt, darf der Mächikaner das aber anscheinend auch. Wenn es einen mächikanischen TÜV gäbe, wäre Mächikostadt binnen 24 Stunden smog-, weil autofrei. Herr O. selbst hat in Mächiko kein Auto. Deshalb fährt er Bus oder Taxi oder so ein Zwischending ... [weiter]
von Ralf Oldenburg
der flughafen von antalya begrüßt den zeitreisenden mit dem schild "welcome to the world of efes". das findet der zeitreisende sehr sympathisch und bekommt entsprechend durst. er sagt brav "grüß allah" zum taksifahrer, und der bringt ihn dann auch brav in die stadt. der zeitreisende will sich mit dem taksifahrer über efes oder über durst oder über reinheitsgebote für bier oder über irgendwas anderes unterhalten. aber türkisch ist eine sehr schwere sprache, merkt der zeitreisende. ganz besonders dann, wenn man sie nicht versteht. ... [weiter]
von Fritze Schüller
Wir waren wieder wo mit dem Hanebüchlein. Diesmal in Ilmau/ Thüringen. Wie es da war, was wir den Ilmenocos vorgelesen haben und was die dann gesagt haben, was es zu essen gab und überhaupt, beschreibt Fritze Schüller. Und zwar sehr ausführlich. ... [weiter]
von Marc Joachim
20:47 Uhr, Stuttgart Hbf: Das Ziel heißt Hamburg-Dammtor, befindet sich in 10 Stunden Zugfahrt-Entfernung und wird nach einer hoffentlich pünktlichen Abfahrt um 20:54 Uhr aller Voraussicht nach die Ankunft um 7:07 Uhr mit Nebel und Nieselregen versüßen. Keine 10 Minuten ist es her, dass ich die Bahnhofs-Toilette aufsuchte, um mit studentengerechter Grundeinstellung eine nahezu leere Wasserflasche für die bevorstehende Deutschlandreise auffüllen zu wollen. Mit unerwarteter Konsequenz
... [weiter]
von Christian Bartel
Klaas-Jap Tigchelaar, der bekanntermaßen ein Fuchs ist, hatte es hingebogen, daß wir auf das 21. Erlanger Poetenfest eingeladen wurden, wo sich immerhin Leute wie Leon de Winter und Siegfried Löffler das Buch in die Hand geben. Da waren wir alle ganz schön platt und mußten uns setzen. Wir sollten an einer Podiumsdiskussion teilnehmen und uns zu Aktualität und Genese virtueller Publikationsmöglichkeiten äußern. Außer uns wären noch andere Koryphäen anwesend, wohlmöglich sogar solche, die tatsächlich etwas davon verstünden. ... [weiter]
|