Das Hanebüchlein
Geschichten mit Hängen und Würgen

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· Warum Hühnergötter „Hühnergötter“ heißen
· Wie der Verstand über den Jordan ging1
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· Der Herr der Nachtschatten
· Die Stiefmutter Gottes
· Die Geschichte des Geschlechtes von Lotwitz
· Wer einmal in Sandalen starb
· Die Gedanken sind frei
· Erster Versuch
· Der Heilige Schnipkoweit
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· Kartendienst
· Schlaffi, das Faultier
· Ludmilla Lipowski
· Panama revisited
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Die Verwandlung

von Christian Bartel
Als Mathilde Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie ihren Mann Gregor zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. „Nicht schon wieder.“ stöhnte sie und versuchte, das häßliche Insekt aus dem Bett zu schubsen. Wenn ihr Mann sich in einen Käfer verwandelte, war er kaum aus dem Bett zu kriegen, ging nicht arbeiten und drückte sich tagelang in den dunklen Ecken der Wohnung herum. Außerdem nagte er immer an der Holzverkleidung im Wohnzimmer. Mathilde haßte das. ... [weiter]


Schluss mit lustig

von Steffen Roye
Es war wie jedes Jahr. Dieselben Leute traten in derselben Reihenfolge auf. Die Folkloregruppe. Tusch. Die Moorleichen mit ihren selbstgeschriebenen Sketchen. Tusch. Die Funkengarde. Tusch. Das Publikum alterte von Winter zu Winter mit den Akteuren. Erstaunlich, dass der Faschingsverein den Saal alljährlich zweimal zu füllen vermochte. ... [weiter]


Fragment einer Tat

von Joachim Allgaier
Jetzt stehe ich hier am Waldesrand, mit einer tschechischen Automatikwaffe in meiner Manteltasche und einem Rucksack voller Geldscheine auf dem Rücken. Und bin mir nicht wirklich sicher, ob ich es auf die Inseln schaffe. Und Schuld an allem sind nur die Hunde. ... [weiter]


Warum Hühnergötter „Hühnergötter“ heißen

von Annie Lux
Es sind Sommerferien. Susanne ist bei ihrem Opa auf Hiddensee. Vor ein paar Stunden legte die Fähre mit samt dem Mädchen in Neuendorf an. Es ist der erste Sommer, den sie ganz allein mit Opa auf der Insel verbringt. Susanne ist neun Jahre alt und bewundert ihren Opa sehr. Der war früher nämlich Seemann und fuhr einen 130 Meter langen Frachter von Rostock nach Kaliningrad und wieder zurück. Jetzt laufen beide am Ostseestrand entlang. ... [weiter]


Wie der Verstand über den Jordan ging

von Jan Sperhake
In einer der bekanntesten Tragödien der griechischen Antike geschah es auf Wunsch der allmächtigen Götter, dass der Verstand, die Liebe und der Sex einen Wettstreit untereinander auszutragen hatten. Ihr Aufgabe lautete, einem anderen Wesen zum Glück zu verhelfen. Wem dies als erstes gelänge, dem würde eine Nacht mit dem Göttervater Zeus gehören. ... [weiter]


Meldung von Fehlverhalten

von Rüdiger Sass
Wurstbrot Sagschnell sesselte vor laufendem Fernseher und schnarchte, er, der sich mit zusammengekniffenem Hintern durchs Leben zitterte. Er war ein Angstaal, der sich vor sich selbst und der Welt zu verstecken suchte. So stand es auf seiner Stirn geschrieben, in verschmierten, ungelenken Lettern. Die Angst aufzufallen, hieß es dort weiter, knebelte ihn bis zur Unkenntlichkeit. Sie war ein Geschenk seines Anwalts. ... [weiter]


Der Herr der Nachtschatten

von Christian Bartel
Gemüsehändler werden gemeinhin unterschätzt. Jeder glaubt sie zu kennen, jeder glaubt, ihr Handwerk zu verstehen. Kleine rundliche Männlein mit Kinnbart und Häkelmützchen sind sie angeblich. Im Sommer stehen sie vor ihrem Laden und streicheln Wassermelonen, im Winter hocken sie mit vor dem Bauch gefalteten Händen hinter der Kasse oder schichten weiße Rüben zu kunstvollen Pyramiden auf, die von Kindern umgeworfen werden können. Außerdem verkaufen sie Gemüse, ist doch klar. ... [weiter]


Die Stiefmutter Gottes

von Rüdiger Sass
Vorwärts Viehlich ist ein ausgelernter Traumritter, ein Schorfkopf und Schleimspeier aus dem Städtchen Tiefschlaf. Jeden Tag folgt er seinen Vorstellungen auf den „Negerwald“ genannten Friedhof vor der Stadt. Dort spürt der Schorfkopf nicht nur der Ruhe nach, sondern er sucht sich immer wieder seines Lebens zu vergewissern. ... [weiter]


Die Geschichte des Geschlechtes von Lotwitz unter besonderer Berücksichtigung ihres letzten Sprosses, Otmar von Lotwitz, besser bekannt als der„Alle-mal-malen-Mann“

von Christian Bartel
Otmar von Lotwitz wurde am 19. November 1935 als nervösestes von 6 Kindern in eine standesgemäß verarmte Sippe pommerschen Kleinadels hineingeboren, mit der er nur flüchtig bekannt war.
Die von Lotwitzens waren im ausgehenden 12. Jahrhundert zu Stand gekommen, als der polnische Fürst Sigismund der Spielsüchtige seinen Hof in die kleine Schenke der Familie verlegt hatte, wo Pimpernel Lotwitz, das schlitzohrige Familienoberhaupt, schnell zum engsten Berater des wettfreudigen Fürsten aufstieg. ... [weiter]


Wer einmal in Sandalen starb

von Magister Maier
Die gräßliche Nachricht im Radio riß Jean-Baptiste Höschele, den seine Freunde von der Autonomen Antifa Berlin voller Respekt Atze nannten, aus dem Schlaf: Die Klingonen hatten die Bundesrepublik Deutschland überfallen. München war vernichtet, große Teile Frankfurts zerstört, Hamburg dem Erdboden gleichgemacht. Dresden war ein einziges Flammenmeer. ... [weiter]


Die Gedanken sind frei

von Francis Kirps
„Dieses gottverdammte Schubladendenken! Dieses ewige Schubladenzeugs im Hirn! Also mir reichts jetzt! „ , fahre ich den Hirschkopf an, den ich gerade präpariere. Er glotzt mich an, mit Augen dümmer und leerer als die von Lady Di. Als sie noch lebte. ... [weiter]


20.000 Meilen unter dem Meer- Erster Versuch

von Jules Verne jr.
Daß sich unsere kleine Reisegruppe schließlich auf hoher See wiederfand, ist allein dem Starrsinn des geschätzten Kollegen Schlammpeizger geschuldet, welcher es mir verunmöglichte, den einmal eingeschlagenen Kurs zu korrigieren, indem er mich fortwährend lauernd anstarrte. So paddelten wir geschlagene zehn Stunden aufs Meer hinaus, Schlammpeizger in diabolischer Vorfreude, daß ich meinen Irrtum endlich eingestehen würde, ich indes immer weiter sinkenden Mutes, da ich seine schadenfrohen Augen fortwährend auf mich gerichtet sah, das rettende Ufer aber längst verloren geben mußte. ... [weiter]


Der Heilige Schnipkoweit

von Christian Bartel
Der Heilige Schnipkoweit ist der einzige Heilige, der sich partout nicht mit Vornamen anreden lassen will. Mit Vornamen heißt der Heilige Schnipkoweit „Heinz“, aber so darf ihn nur seine Mutter nennen und auch die nur, wenn sie sein Lieblingsessen gekocht hat. Kohlrouladen nämlich. Alle anderen beißen auf Granit, ob mit oder ohne Kohlrouladen. „Heiliger Heinz“ geht also gar nicht und sogar wenn man ihn mit „Heiliger Schnipkoweit“ anspricht, flippt er total aus. ... [weiter]


Weihnachtsgeschichte (ohne alles)

von Francis Kirps
Es war einmal, genauer gesagt am 24. Dezember 00 begab es sich, dass der Mann Yussef, von Beruf Zimmermann aus Bethlehem, von Sternzeichen Wasserkopf, die Wüste durchquerte, fernab von zuhause, auf der Suche nach einer Jugendherberge für die Nacht. Seine hochschwangere Frau Couscous schleppte sich hinter ihm her, in kraftvollstem Aramäisch farbenfrohe Flüche ausstossend. Wie man sich denken kann waren die beiden ganz schön müde und durstig. ... [weiter]


Kartendienst

von Armin Bings
Herr Gehrke ist mein Lieblingslehrer. Ich hab bei ihm Geschichte und Erdkunde, seit letztem Jahr. Er ist wirklich der netteste Lehrer an der Schule und bestimmt auch der netteste Lehrer, den es überhaupt gibt. Das finden die meisten in meiner Klasse, die anderen Jungs und auch die Mädchen. Wir haben ihn sogar schonmal zu Hause besucht. Als wir am Wandertag letztes Jahr eine Radtour gemacht haben, haben wir bei ihm Pause gemacht und er hat uns Limo und Plätzchen gegeben ... [weiter]


Schlaffi, das Faultier

von Francis Kirps
Im dichten grünen Regenwald, unweit von Rio de Sangre an der Grenze zwischen Brasilien und Guyana, lebte Schlaffi das Zweizehenfaultier mit seiner Familie. Schlaffi hatte einen jüngeren Bruder, Fauli, und eine grosse Schwester, Verona. Die war aber längst dem Haus und mit einem Dreizehenfaultier aus dem Nachbardorf verheiratet. Das Nachbardorf lag fünf Meilen weiter südlich, und für so ein Faultier sind fünf Meilen eine Distanz die es vielleicht einmal im Leben zurücklegt, und dann nie wieder. Deshalb war nach der prunklosen Hochzeit gewusst, dass die Familie ihre Verona nie mehr zu Gesicht bekäme. Traurig aber wahr. Zum Glück sind Faultiere nicht sehr gefühlsbetont, es ist zu anstrengend. Und der dicke Pelz tut ein Übriges. ... [weiter]


Detektivin Ludmilla Lipowski - Der wirklich allererste Fall

von Martin Ferfers
Herr Ferfers hat uns einen wirklich atemberaubend abstrusen Kurzkrimi eingesandt, die Handlung ist vollkommen wirr, der Stil geschraubt, dafür treten auf eineinhalb Seiten mehr Personen auf als in Dostojewskis Gesamtwerk. So geht er los:
Ein greller Schrei erhellt die Stille der schwarzen Nacht. Ludmilla Lipowski, ein zierliches Persönchen von einem Meter und fünfundsechzig Zentimetern, ehemalige Jugendballettmeisterin Krakaus und dazu eine exzellente Näherin, fährt auf und ahnt Böses. ... [weiter]


Panama revisited

von Christian Bartel
„Wenn man einen Freund wie dich hat, kleiner Bär“ sagte der kleine Tiger, „dann braucht man echt keine Feinde mehr.“ „Halt die Schnauze und nimm endlich diese Scheiß Holzente aus meinem Gesicht“, sagte der kleine Bär. Der kleine Bär war gerade nicht so gut auf den kleinen Tiger zu sprechen und umgekehrt auch nicht. Das lag aber an den Schweinen. Und an Panama. Außerdem war es ziemlich eng in der Holzkiste, in der sie sich verstecken mußten. Aber es hatte ja alles mit einer Holzkiste angefangen, warum sollte es nicht auch so enden. ... [weiter]


Die weitgehend erbauliche, mancherorts aber auch betrübliche Geschichte von der wandernden Munkelrübe

von Anselm Neft
Es waren einmal vor etlichen Rübengenerationen, ein Rübenmann und eine Rübenfrau, die staken, ihrer Bestimmung gemäß, im Acker. Dies ist, was Rüben früher taten, was sie heute noch tun, und – wenn ich mich nicht irre – was sie auch in künftigen Zeiten tun werden. Gewiss, es ist nicht sonderlich aufregend im Acker zu stecken, weiße Fadenwurzeln auszustrecken, sich über frischen Regen und guten Dünger zu freuen, und allenthalben die Mäuse und das Gewürm zu verfluchen. ... [weiter]


Superkanzler

von Stefan Schrahe
Ich weiß nicht, ob es Zufall war, als ich meinen ehemaligen Kollegen Robert in dem kleinen Bistro in der Innenstadt traf. Ich hatte gerade mein Exposé für einen Beitrag über die sinkende Wahlbeteiligung unter Jugendlichen aus Plattenbausiedlungen in Sachsen-Anhalt eingereicht. Wir hatten uns schon lange aus den Augen verloren. Sein Name war mir jedoch öfter im Abspann von Magazinsendungen im Privatfernsehen aufgefallen. ... [weiter]


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Das Hanebüchlein - (www.hanebuechlein.de) - Kontakt: Commodore Nutt (nutt@hanebuechlein.de)
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