Heute: Die Mormonen

Anbieter:

· Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Marktsegment:

· christlich orientierter Synkrethismus

Unternehmens-
philosophie:

· expansiv

Produkte:

·  frisch gescheitelte junge Männer mit weißen Hemden, Bundfaltenhosen und Sportjacken sowie allerlei religiösem Beiwerk

Vermarktung

· Haustürverkauf
· Verkaufsaktionen an öffentlichen Plätzen bzw. Fußgängerzonen


Kurzbeschreibung:


Die Fun- und Wintersportreligion aus der Salzlakenmetropole bzw. die Salzlaken- religion aus der Fun- und Wintersportmetropole in Utah tritt in Europa hauptsächlich als Herrenausstatter in Erscheinung.

Die Fun- und Wintersportreligion aus der Salzlakenmetropole bzw. die Salzlakenreligion aus der Fun- und Wintersportmetropole in Utah tritt in Europa hauptsächlich als Herrenausstatter in Erscheinung.

Proper: Zwei junge Missionare gehen in StellungIn vielen deutschen Kleinstädten unterhalten die Mormonen kleine Dependancen, und zwar auf Sprudelkisten in Fußgängerzonen. Dort präsentieren die männlichen Modelle, sobald es mehr als zehn Passanten hat, die immergleichen Frühjahrskollektion bestehend aus schwarzer Bundfaltenhose, weißem Hemd und schmaler schwarzer Krawatte. Statt Jacketts tragen die Modelle dunkle Sportjacken aus nicht atmungsaktiven Plastikfasern und dazu Köfferchen mit Kunstlederbezug. Diese Accessoires werden jedoch nie bei den fashion-shows auf den Sprudelkästen gezeigt, sondern erst danach dem handverlesenenen Publikum im öffentlichen Nahverkehr präsentiert, welches von den Modellen unentwegt Sitzplätze angeboten bekommt, obwohl es selbst auf eben nämlichen sitzt. Ebenfalls sehr beliebt sind die Überraschungsparties, die von den verschiedensten Veranstaltern für die Kunden ausgerichtet werden. Eigentlich fußt dieses Marketingkonzept auf dem des Hauses Tupper, welches damit sinnlose Plastikverschalungen weltberühmt gemacht hat. Im Unterschied jedoch zu den ursprünglichen Tupperparties, ahnt der Kunde, der meinethalben gerade einen Frankfurter Kranz bäckt, nichts von dem unaussprechlichen Glück, in Kürze von einem Rudel männlicher Modelle umringt zu sein, die völlig tabulos schwarze Bundfaltenhosen, weiße Hemden und schmale dunkle Krawatten vorzeigen, bis der Kunde einlenkt und sich Bücher schenken läßt. Schmachtend klacken dann die Verschlüsse der kunstlederbezogenen Koffer und man nennt bald eine Gesamtausgabe der Schriften des Firmengründers Joseph Smith sein eigen. Das ist schön und auch wünschenswert, denn als Couturier taugt Herr Smith wenig. Zu eingefahren und zu wenig risikofreudig sind da seine Vorstellungen. Ganz anders ist es, taucht man in die Geistes- und Gefühlswelt des sympathischen Religionsstifters ein. Prunkvoll und exzentrisch geht es da zu, ganz wie auf einer Schau des Stuttgarter Labels Pompöös, wenn vielleicht nicht ganz so pink und mit entschieden weniger Decolletee.

Die Geschichte von Peepstone Joe

"Where did you come from, where did you go?"

Meister Proper: Gründer Smith im mormonischen RealismusIm Jahre 1823 schloß der kleine Joe Smith Freundschaft mit dem Engel Moroni, der ihm einige Kleinigkeiten zur Religionsgründung schenkte, weil er ihn mochte und vielleicht Mitleid mit dem in Armut aufgewachsenem Spund hatte. Unter anderem erhielt Joe zwei Sehersteine, Urim und Thumim, mit denen er die Wahrheit sehen konnte. Weil Joe ständig mit diesen Steinen im Hut herumlief und die Leute mit der Wahrheit foppte, hatte er bald den Spitznamen "Peepstone Joe" weg, denn es war ja die Zeit der wilden Westmänner und die erlaubten sich gerne den einen oder anderen Ulk. Außerdem hatte Moroni dem Joe verraten, wo er die goldenen Platten vergraben hatte, die ihm sein Vater Mormon geschenkt hatte. Diese goldenen Platten hatte Mormon für die einhundertausendste verkaufte Prophezeiung erhalten und Moroni hatte danach sogar noch ein bißchen dazuverdient. Hinten auf den Platten stand alles drauf, was man wissen mußte, woher wir kamen und wohin wir gingen und all das. Dummerweise waren diese Spitzeninformationen in "Reformägyptisch" geschrieben, deshalb mußte Moroni dem Joe auch seine Wunderbrille zur Übersetzung leihen. Als Joe fertig übersetzt hatte, war er ziemlich baff und sein Publikum nicht minder. Es war doch alles ein bißchen anders, als man sich die Welt bis dahin vorgestellt hatte.
Und zwar so: Im Gefolge des erfolglosen Turmbaus zu Babel hatte es einige der Nachkommen Abrahams nach den USA verschlagen, das damals noch menschenleer war. Dort entwickelten sie zu Tarnungszwecken eine völlig neue Kultur und Sprache, die mit der Altjüdischen nichts zu tun haben durfte. Deshalb verkleideten sie sich ja auch als Indianer. Mit der Zeit wurden sie jedoch immer übermütiger, fielen erneut von Gott ab und bekamen den Puckel schwarz gemacht. Die dunkle Hautfarbe sollte sie von nun an an ihre Sünden erinnern. Die gottesfürchtigen Nephiten wurden von den bösen Lamaniten verdrängt, bis nur noch Moroni als letzter Nephite übrig blieb. Als die Lamaniten dann allein waren, wurden sie schließlich wirklich zu Indianern. Dann kam Joe und klärte die Sache auf. Das gelang ihm recht gut, er gründete eine kleine Kirche und wollte 1841 sogar Präsident der Vereinigten Statten werden, das er zum Neuen Jerusalem auszubauen gedachte. Gereicht hat es dann aber nur für die Salzlakenmetropole. 1844 wurde Joseph Smith von aufgebrachten Ehemännern erschossen, denn anders als die Sache mit den Indianern, wurden seinen polygamen Vorstellungen nie recht goutiert, weshalb sie im heutigen Mormonismus keine Anwendungen mehr finden. Ebenfalls wenig goutiert wurde die Feststellung des Joseph Smith, Gott sei aus Fleisch und Blut und wohne mit vielen Frauen auf einem Planeten namens Kolob, obwohl das ja nun wirklich eine ausgesprochen sehr schöne Glaubensvorstellung ist, die ein jeder teilen sollte, der nur einen Funken Fröhlichkeit im Leibe hat.

Um so unglücklicher nimmt es sich aus, daß die Nachfolger des Peepstone Joe den Mormonismus zu einer freudlosen Angelegenheit haben verkommen lassen, zu einem Verzichtsprotestantismus der allerfeinsten Sorte. Das einzige, worauf nicht verzichtet wird, ist Arbeit und Mission. Und weiße Hemden. Acht Millionen Leute finden das weltweit gut.

Wenn also auch Sie sich von einer charmanten Mischung aus freimaurerischem Ritus, exzentrischer Theologie mit christlichem Vokabular und gelebtem Protestantismus aller erster Kajüte gefangen nehmen lassen wollen, nüscht wie hin an` Salzsee. Wenn Sie darüberhinaus in Landschulheimen und Jugendherbergen der Welt zu Hause sein wollen, bequem auf einer Sprudelkiste Platz finden, gerne weiße Hemden und schmale Krawatten zu Windjacken tragen, die Vereinigten Staaten vergöttern und auch sonst gerne parieren, bieten sich Ihnen spannende berufliche Optionen, die auch und gerade einen stabil schmalen Geldbeutel verheißen.

Bewerbungen an:
www.mormon.org

oder an Das Hanebüchlein - (www.hanebuechlein.de) - Kontakt: Commodore Nutt (nutt@hanebuechlein.de)
Die Urheberrechte der Texte liegen bei den Autoren. Letzte Änderung: XVII.II.MMII